Wischen statt Drücken

Bei der Kommissionierung für die Montage der Fahrerhäuser setzt MAN seit einem Jahr auf eine spezielle Pick by Light-Lösung mit Wischbetätiger von KBS. Kurze Anlernphasen, einfach austauschbare Fachanzeigen und eine rationelle Auftrags-Quittierung sorgen für Qualität und Tempo.

Antennen, Drucklufthörner, Kabelsätze, Verkleidungen und verschiedene Tachografen – selbst das Dach im Fahrerhaus eines MAN TGX kann ab Werk durch zahlreiche Optionen individuell gestaltet werden. In der Vorkommissionierung des Münchner Stammwerks äußert sich diese Auswahl durch lange Regalreihen mit etwa 250 verschiedenen Teilen, die für jede Fahrzeugbestellung einzeln auf Kommissionierwagen zusammengestellt werden. Aufgrund der Artikelanordnung bekam dieser Lagerbereich bei MAN den Namen „Supermarkt“.

Aufwändiges Anlernen

Bis vor wenigen Jahren wurde die Arbeit im Supermarkt ausschließlich mit Papierlisten durchgeführt. „Die damit betrauten acht Mitarbeiter mussten über sehr gute Kenntnisse der einzelnen Positionen im gesamten Lager verfügen“, schildert Franz Blaschke, der bei der MAN Nutzfahrzeuge AG in der Fahrerhaus-Montage für schwere Lkw die Prozessplanung und Instandhaltung verantwortet.
Entsprechend aufwändig gestaltete sich das Anlernen neuer Mitarbeiter, was in der Regel mehrere Monate in Anspruch nahm. Zudem ließen sich Fehler, die erst zu einem späteren Zeitpunkt der Montage auffielen, nicht immer vermeiden. Vor diesem Hintergrund suchten Blaschke und sein Team eine neue Kommissionierlösung, die das Personal durch eine eindeutige Orientierungshilfe unterstützt.

Nach einer gründlichen Auswahl unter den angebotenen Pick-Systemen entschied sich MAN für eine lichtgesteuerte Pick by Light Anwendung, kurz PbL. „Bei PbL haben die Mitarbeiter ihre Hände frei und können sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren. Die an den Regalfächern angebrachten Lichtsignale sind unmissverständlich und führen zu einer minimalen Fehlerquote“, sagt Blaschke.

Gesparter Handgriff

Im direkten Vergleich zu anderen PbL-Anbietern konnte sich das Produkt „PickTerm QuickReply“ von KGS_MAN_-9440KBS durchsetzen. Denn zusätzlich zu den erwähnten Vorzügen von PbL verfügt die KBS-Lösung über leicht austausch- und umsetzbare Fachanzeigen mit einem selbst entwickelten Schalter zum schnellen Quittieren der Aufträge. Dieser so genannte „Wischbetätiger“ erspart das Bedienen der weiterhin vorhandenen Bestätigungstaste an der Fachanzeige und erhöht dadurch die Pickleistung. Der federnd gelagerte Hebel wird während der Entnahme des Artikels vom Kommissionierer „gestreift“ und damit ohne weiteren Handgriff betätigt.

„Bis auf drei Ausnahmen muss aus den Fächern grundsätzlich nur ein Artikel entnommen werden, so dass der Kontakt keinesfalls zu früh ausgelöst werden kann“, erklärt Blaschke. Deshalb genügten im Lager des Herstellers auch Fachanzeigen mit Displays ohne Mengenangabe. Lediglich die drei genannten Fächer, aus denen meist mehrere Teile entnommen werden müssen, verfügen über ein entsprechendes Anzeigefeld. „Die Wischbetätiger sind für uns die ideale Lösung“, so Blaschke, der im Zuge des Projekts auch Wärmesensoren in Betracht gezogen hatte. „Die Sensoren wären aber wohl durch den Einsatz von Handschuhen zu unzuverlässig gewesen“, meint der Diplom-Wirtschaftsingenieur.

Sonderregeln möglich

Bis zu zwei Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten im „Teile-Supermarkt“. Dadurch wurde auch eine farbliche Unterscheidung der Lichtsignale erforderlich. Unter den sieben bei KBS möglichen Farben wurden die Töne rot und grün ausgewählt. Eine Sonderregel gilt für Fächer, die im Zuge der Kommissionierung von beiden im Supermarkt tätigen Kollegen aufgesucht werden müssen. „Diese Fächer blinken in der Farbe des ersten ausgelösten Kommissionierauftrags“, erläutert Blaschke.

Beim zweiten „Besuch“ dieser Fächer tritt eine weitere Ausnahme in Kraft. Denn dann muss der Auftrag mit dem herkömmlichen Schalter quittiert werden – schließlich darf der sensible „Wischbetätiger“ nur einmal aktiv sein, um ein versehentliches Quittieren durch den Vorgänger zu verhindern. Durch einen der beiden kleinen Leuchtpfeile an der Fachanzeige wird der betreffende Mitarbeiter jedoch auf diesen Sonderfall hingewiesen. Jede Fachanzeige verfügt für diesen Zweck über zwei Leuchtpfeile, die auf den jeweiligen Schalter hinweisen.
Mit Hilfe dieser Vorkehrungen konnten Fehler nahezu ausgeschlossen werden, die Investition hat sich bereits amortisiert. „Wir arbeiten jetzt schneller und mit höherer Qualität“, so Blaschke. Zudem ließen sich neue Mitarbeiter nun innerhalb einer halben Stunde anlernen.

Änderungen im Wochentakt

Zum wirtschaftlichen Erfolg hat aber auch der zweite wesentliche Vorteil der Fachanzeigen beigetragen. Denn durch die so genannte „Snap-In-Adaptierung“ lassen sie sich an beliebiger Stelle auf die fest an den Regalen installierten Trägerprofile aufschnappen und werden über eine Kontaktleiste mit Energie und Signalen versorgt. Dabei sind die einzelnen Fachanzeigen in der Datenbank fest mit der Artikelnummer – und nicht mit der Regalposition – verknüpft. Hauptvorteil dieser Konstruktion ist, dass die Anzeigeelemente bei Bedarf schnell und ohne Werkzeug an anderer Stelle platziert werden können. „Das kann unser Lagermeister selbständig und kostensparend ohne externe Hilfe“, berichtet Blaschke.
Fast wöchentlich werde das Design der Anlage angepasst und verbessert – entweder aufgrund neuer Artikel oder der Praxiserfahrungen im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Seit Inbetriebnahme der Anlage habe MAN damit die Produktivität der Anlage um weitere rund zehn Prozent gesteigert.

Weitere Bilder zum Bericht in hohe Auflösung stehen per Anfrage zur Verfügung: bitte schicken Sie eine Email an marketing@kbs-gmbh.de